Mit 19 Jahren, noch Jungfrau, wurde sie im Tausch gegen ein Pferd mit einem einsamen Herzog verheiratet.

Mit 19 Jahren, noch Jungfrau, wurde sie im Tausch gegen ein Pferd mit einem zurückgezogen lebenden Herzog verheiratet.

Im Morgengrauen, als der Nebel noch die unbefestigten Straßen von San Miguel del Río verhüllte, öffnete Don Ramón Castañeda mit zitternden Händen seine Haustür. Vor ihm stand seine einzige Tochter Ximena, kaum neunzehn Jahre alt, in einem schlichten weißen Kleid, das ihre Mutter vor ihrem Tod genäht hatte.

Das Mädchen hielt den Kopf gesenkt. Sie weinte nicht, doch ihr ganzer Körper zitterte, als ob die Kälte bis in ihre Knochen gekrochen wäre.

Eine elegante schwarze Kutsche erwartete sie auf der anderen Seite des Hofes. Daneben stand Don Alejandro de la Vega, Besitzer der Hacienda Santa Lucía, ein großer, ernster Mann mit durchdringendem Blick und einem furchteinflößenden Ruf. Niemand in der Gegend wagte es, ihm zu widersprechen. Man sagte, er sei eiskalt und habe seit dem Tod seiner ersten Frau nicht mehr gelächelt.

Don Ramón konnte ihm nicht in die Augen sehen.

„Verzeih mir, Tochter“, murmelte er mit zitternder Stimme. „Ich sah keinen anderen Ausweg.“

Ximena blickte kaum auf. Ihr Vater wirkte älter als am Abend zuvor. Die Schulden bei Don Evaristo Villaseñor hatten sie ruiniert. Zuerst die Ernte, dann die Maultiere, dann das Haus. Schließlich hatte dieser grausame Geldverleiher das Einzige gefordert, was Don Ramón noch liebte: seine Tochter.

Don Alejandro hatte am Nachmittag zuvor interveniert. Er beglich die Schulden, übergab ein Vollblutpferd und willigte ein, Ximena zu heiraten, um sie vor dem Mann zu schützen, der sie als Trophäe begehrte.

Doch für Ximena fühlte sich alles wie ein Fluch an.

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Don Alejandro näherte sich langsam. Sein Gesichtsausdruck verriet weder Spott noch Zärtlichkeit.

„Fräulein Ximena“, sagte er mit ernster Stimme, „steigen Sie in die Kutsche. In meinem Haus wird Sie niemand entehren.“

Sie antwortete nicht. Mit unsicheren Schritten stieg sie ein und spürte, wie jeder Schritt sie weiter von ihrer Kindheit entfernte. Als die Kutsche sich in Bewegung setzte, sah sie ihren Vater regungslos in der Tür stehen, erfüllt von einer Scham, die sie nie vergessen würde.

Die Fahrt zum Gut Santa Lucía verlief schweigend. Die Felder zogen an ihr vorbei wie Seiten, die aus einem Leben gerissen worden waren, das ihr nicht mehr gehörte. Don Alejandro starrte ernst und abwesend aus dem Fenster.

Bei ihrer Ankunft war Ximena beeindruckt. Das Anwesen war riesig, mit weißen Mauern, schmiedeeisernen Balkonen und Gärten voller Bougainvilleen. Doch nichts an diesem Ort wirkte warm und einladend. Die Bediensteten gingen schweigend umher, als fürchteten sie, einen alten Schmerz wieder aufzuwühlen.

Ein junges Dienstmädchen führte sie in ein geräumiges Zimmer.

„Mein Name ist Clara“, sagte sie sanft. „Ich stehe Ihnen zu Diensten, gnädige Frau.“

„Nennen Sie mich nicht gnädige Frau“, flüsterte Ximena. „Ich weiß noch immer nicht, was ich bin.“

Clara sah sie mitfühlend an.

„Sie werden hier sicher sein. Don Alejandro wirkt zwar streng, aber er ist kein schlechter Mensch.“

Am selben Nachmittag wurden Ximena und Alejandro in der Kapelle der Hacienda von einem älteren Priester getraut. Es gab keine Musik, keine Blumen, keine Gäste. Nur flackernde Kerzen und eine bedrückende Stille.

Als die Zeremonie beendet war, verneigte sich Alejandro vor ihr.

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„Nun trägt sie meinen Namen, aber sie gehört mir nicht“, sagte er leise. „Ich werde sie niemals anrühren, wenn du es nicht willst.“

Ximena sah ihn überrascht an. Dieses Versprechen linderte ihren Schmerz nicht, aber es brachte einen kleinen Lichtblick in die Dunkelheit.

Die folgenden Tage waren seltsam. Ximena wanderte mit Clara durch die Gärten und erkundete jeden Winkel der Hacienda. Nach und nach entdeckte sie, dass viele Arbeiter Don Evaristo zum Opfer gefallen waren. Alle sprachen voller Furcht von ihm: Er verlangte Wucherzinsen, vernichtete Ernten, zerstörte Familien und erkaufte sich das Schweigen.

Eines Nachmittags fand Ximena in Alejandros Büro eine Holzkiste. Darin befanden sich Schuldscheine, unterschrieben von Dutzenden Familien. Auf allen stand dasselbe Wort in schwarzer Tinte: „Bezahlt“.