Mit 19 Jahren, noch Jungfrau, wurde sie im Tausch gegen ein Pferd mit einem einsamen Herzog verheiratet.

Da begriff sie, dass Alejandro heimlich Menschen befreit hatte. Er war nicht das Monster, für das ihn alle hielten. Er war ein verwundeter Mann, der allein kämpfte.

An diesem Abend, beim Abendessen, fasste Ximena sich ein Herz.

„Ich habe die Schuldscheine gefunden“, gestand sie. „Sie haben vielen Menschen das Leben gerettet.“

Alejandro stellte sein Glas auf den Tisch. Sein Gesichtsausdruck verhärtete sich.

„Sie hätten nicht in mein Büro kommen sollen.“

„Ich hätte nicht als Bezahlung dienen dürfen, und doch bin ich hier“, erwiderte sie mit zitternder, aber fester Stimme. „Lassen Sie mich Ihnen helfen.“

Er beobachtete sie schweigend. Zum ersten Mal sah er in ihr mehr als nur eine verängstigte junge Frau. Er sah Mut.

„Don Evaristo ist gefährlich“, sagte sie. „Ich habe jahrelang Beweise gesammelt, um ihn vor Gericht zu bringen, aber niemand traut sich auszusagen.“

„Dann werde ich mit ihnen sprechen. Die Leute kennen mich. Sie wissen, dass ich auch ein Opfer war.“

Alejandro schüttelte den Kopf.

„Ich will nicht, dass du in Gefahr gerätst.“

„Ich will mich nicht verstecken müssen.“

Diese Worte veränderten etwas zwischen ihnen.

Am nächsten Tag gingen sie in einfacher Kleidung in die Stadt. Sie besuchten ärmliche Häuser, sprachen mit Witwen, Bauern und Müttern, die wegen Evaristo alles verloren hatten. Zuerst wollte niemand reden. Doch Ximena erzählte ihre Geschichte, sprach von ihrem Vater, ihrer Angst und dem unerwarteten Schutz, den sie bei Alejandro fand.

Eine Witwe namens Doña Herminia brach in Tränen aus.

„Mein Mann ist nicht bei einem Unfall gestorben“, gestand sie. „Evaristo ließ die Bremsen an seinem Karren durchtrennen, weil er nicht zahlen konnte.“

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Diese Aussage öffnete die Tür. Dann meldete sich ein Tagelöhner zu Wort. Dann eine Mutter. Als der Abend hereinbrach, waren zwölf Familien bereit, auszusagen.

Alejandro sah Ximena mit einem schwachen Lächeln an.

„Ich hatte Recht“, sagte er.

Auch sie lächelte.

„Ich hab’s dir ja gesagt.“

Doch die Hoffnung währte nicht lange.

In der Nacht erhielt Don Evaristo die Nachricht von einem feigen Bauern, der das Geheimnis verkauft hatte, um seine Schulden erlassen zu bekommen. Als er erfuhr, dass Alejandro Zeugen vor den Richter bringen würde, schlug er wütend mit der Faust auf den Tisch.

„Wenn Alejandro Krieg will, soll er trauern“, murmelte er.

Stunden später standen Don Ramóns Plantagen in Flammen.

Ximenas Vater kam aschebedeckt auf der Hacienda an, seine Kleider verbrannt, seine Augen voller Entsetzen.

„Er hat alles verbrannt, Tochter“, schluchzte er. „Er hat alles wieder verbrannt.“

Ximena rannte zu ihm und umarmte ihn. Wut, Vergebung und Angst wirbelten in ihrer Brust. Alejandro, der neben ihnen stand, ballte die Fäuste.

„Ich gehe morgen zum Richter“, schwor er. „Jetzt ist es vorbei.“

Als Don Ramón zur Ruhe gebracht wurde, brach Ximena zusammen. Alejandro hielt sie in seinen Armen. Sie weinte an seiner Brust, und zum ersten Mal hatte sie keine Angst vor ihm. Sie fühlte sich sicher.

Sanft streichelte er ihr Gesicht.

„Es tut mir leid, dass ich dich in diesen Krieg hineingezogen habe.“

Ximena sah ihn durch ihre Tränen an.

„Du hast mich nicht in den Krieg hineingezogen. Du hast mich herausgeholt.“

Alejandro wollte gehen, denn er hatte ihr sein Versprechen gehalten. Doch sie nahm seine Hand.

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„Ich bleibe, weil ich will“, flüsterte sie. „Und ich will dich.“

Dann küsste er sie. Es war ein Kuss voller Schmerz, Zärtlichkeit und Hoffnung, als hätten zwei müde Seelen endlich einen Ort der Ruhe gefunden.

Am nächsten Morgen reiste Alejandro mit Don Ramón und einigen Zeugen in die Hauptstadt. Ximena blieb mit Clara auf der Hacienda. Sieben Tage lang kam kein Brief an.

Das Warten wurde unerträglich.

Am achten Tag kam ein Diener hereingerannt.

„Der Stall brennt!“

Ximena und Clara rannten zur Scheune. Das Feuer verzehrte das Holz. Zwischen Rauch und Wiehern gelang es ihnen, die Pferde zu befreien. Als sie rußbedeckt in den Hauptraum zurückkehrten, waren sie wie gelähmt vor Angst.

Don Evaristo saß im Hauptsessel, umringt von bewaffneten Männern.